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Namensgebung


Eine Schule muss als Lebens- und Beziehungsraum gestaltet sein und den Schülern vielfältige Identifikationsmöglichkeiten anbieten. Ein Grundstein dafür ist, einer Schule einen Namen zu geben. Aus diesem Grund hat sich 2009 die „neue Förderschule“ des Kreises Gütersloh mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, Sek. I schnell damit beschäftigt, gemeinsam mit Schülern, Eltern und Mitarbeitern einen Namen zu finden.

Nikolaus Kopernikus wurde 1473 in Thorn (Polen) geboren. Sein Vater starb schon in seiner frühen Kindheit, so dass sein Onkel mütterlicherseits, Bischof Lukasz Watzenrode, sich um ihn und seine Ausbildung kümmerte. Zwischen 1491 und 1494 studierte Kopernikus in Krakau Mathematik und Astronomie. In den folgenden Jahren hielt er sich für längere Zeit in Italien auf. Dort studierte er Medizin und Rechtswissenschaften. 1503 promovierte er in Kirchenrecht und kehrte bald darauf nach Polen zurück, um im Bischofspalast seines Onkels in Lidzbark Warminski als sein Sekretär und Leibarzt tätig zu sein. (www.das-neue-weltbild.de)

Mit der Astronomie, die ihn so berühmt machte, beschäftigte er sich privat sehr intensiv. Im Jahre 1501 veröffentlichte er eine kleine Schrift, in der er vorsichtig andeutete, nicht die Erde, sondern die Sonne könne im Mittelpunkt des Alls stehen. In seinem Todesjahr erschien sein Buch  „Über die Umläufe der Himmelskörper“, in dem er die Erde als Krönung der Schöpfung entthronte und die Sonne in den Mittelpunkt rückte (heliozentrisches Weltbild). Diese wichtige Änderung und die Abkehr vom ptolemäischen Weltbild nennt man die „kopernikanische Wende“. Kopernikus selbst konnte seine Theorie nicht beweisen, dies gelang erst späteren Astronomen. Die Verbannung der Erde aus dem Zentrum des Weltalls hat das Selbstbewusstseins der Menschen damals tief getroffen. Heute wird das Weltbild noch radikaler erschüttert und die Erde an den Rand des Universums gerückt, das selbst nur noch eines von zahllosen Universen ist  (Unser Kosmos – Was ist Was, Bd. 102).

Mit seiner kritischen Maxime „Die Sinneswahrnehmung bedarf der Überprüfung, wenn sie als Erkenntnis dienen will“ hat Kopernikus vor über 500 Jahren durch Beobachtung und Berechnung des Sternenhimmels das Weltbild der Menschen aus den Fugen gebracht und sie zum Umdenken gezwungen. Kopernikus hat die Blickrichtung geändert, einen Perspektivwechsel vorgenommen und damit neue Zugänge zur Erklärung des Universums gefunden.

Wenn Schüler zu unserer Schule wechseln, dann ist eine Änderung der Blickrichtung, ein neuer Blick aus einer anderen Perspektive für alle am Erziehungsprozess Beteiligten von grundlegender Bedeutung. Sieht man unsere Schule als Umlaufbahn, so befinden sich auf ihr verschiedene Planeten, die sich gegenseitig beeinflussen und zusammenhängen. Der zentrale Planet ist sicherlich der Schüler mit seinen Stärken und Schwächen als ganzheitlich handelnde Persönlichkeit. Um Entwicklungsprozesse in Gang zu setzen, ist eine Bewegung aller Planeten notwendig, eine umfängliche Auseinandersetzung mit dem Schüler, seinen jeweiligen Problemen sowie die Einbeziehung möglichst aller seiner Beziehungspunkte. Daraus erfolgt im Kontext seiner sozialen Bezüge eine Individualisierung der Förderung und der Zielsetzungen.

Für unsere Schüler bedeutet das, sich weder als Grund für alle bestehende Probleme zu sehen, noch sich selber als Mittelpunkt des Universums zu betrachten. Mit der Förderung ihrer emotionalen und sozialen Kompetenzen lernen die Schüler, sich als Teil eines sozialen Gesamtgefüges zu sehen, in dem sie einen festen Platz haben, aber auch anderen Menschen Platz und Raum geben müssen. Sie erleben aber auch, dass sie als ganzheitlich handelnde Persönlichkeit mit ihren Stärken und Schwächen im Vordergrund stehen. Sie erleben, dass sich Lehrerinnen und Lehrer mit ihnen und ihren Problemen umfänglich auseinandersetzen und eine individuelle Förderung gewährleisten.

Für die Eltern und Erziehungsberechtigten bedeutet das, ihr Kind nicht im Zentrum aller Schwierigkeiten und Probleme zu sehen, um das sich alle Bemühungen drehen müssen, sondern zu erleben, dass die Beeinträchtigungen und Störungen bedingt sind durch ein komplexes Zusammenwirken verschiedenster Ursachen und Faktoren. Es sind Störungen in der Interaktion mit anderen Menschen, in der Beziehung zur eigenen Person oder zur gegenständlichen Umwelt. Mit einem anderen Blick auf das Kind und all seine Beziehungspunkte, können Veränderungen in Gang gesetzt werden und Perspektiven entwickelt werden.

Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet das, Beeinträchtigungen in der emotionalen und sozialen Entwicklung nicht als feststehende, unveränderbare Persönlichkeitsmerkmale zu sehen. Sie sind zu verstehen als Ergebnisse eines komplexen Interaktionsprozesses zwischen den Kindern und Jugendlichen und ihrem Umfeld in Familie, Freundeskreis und Schule. Das bedeutet, die Schülerinnen und Schüler mit ihren besonderen Problemlagen nicht im Zentrum zu sehen, sondern ihnen ein Umfeld zu bieten, dass ihnen die Chance auf die Veränderung von Sichtweisen und Perspektiven für ihre weitere Entwicklung bietet. Ziel der Förderung ist die Entwicklung und Stärkung der emotionalen und sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Unsere Förderschule bietet ein Lern- und Erziehungsfeld, das die Motivation zum Lernen neu weckt, die Möglichkeiten zum selbständigen Lernen und Handeln fördert und die Schülerinnen und Schülern darin unterstützt, Verantwortung für ihren eigenen Lern- und Lebensweg zu übernehmen.

 

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